Unser Thema im Juli: Dießen – Wo Handel Geschichte schrieb

Warum wurde Dießen zum Markt? Die Antwort liegt in seiner günstigen Lage: Schon die Römer erkannten die Bedeutung der Region. Ihre Handelsstraße von Augsburg zum Brenner führte direkt am Ammersee vorbei und verband Dießen mit dem europäischen Netz. Diese strategische Position machte den Ort und die Gegend schon in der Antike zu einem Knotenpunkt für Waren und Ideen.

Im Mittelalter festigten die Grafen von Dießen die Rolle des Ortes als Handelszentrum. Als sie ihre Stammburg Sconenburg in Dießen aufgaben und stattdessen ein Kloster stifteten, entwickelte sich zu dessen Füßen eine Handwerkersiedlung. Für das Kloster und die Handwerker des Ortes waren Märkte lebensnotwendig, damit sie an Lebensmittel, Rohstoffe und andere Waren gelangen konnten.  Die Verleihung des Rechtes zur Abhaltung eines Wochenmarkts 1324 unterstrich die Bedeutung Dießens als Markt: Der Ort entwickelte sich zum lebendigen Markt- und Verwaltungsmittelpunkt. Hier trafen sich Händler, Handwerker und Pilger, um Waren wie Zinn, Keramik oder Devotionalien auszutauschen.

Ein besonderes Kapitel der Dießener Handelsgeschichte schrieb das Handelshaus „von Baab & von Schorn“. Johann Baptist Baab hatte es 1740 gegründet und brachte es innerhalb weniger Jahrzehnte zu einem immensen Vermögen. In den 1770er Jahren fusionierte er mit den Brüdern Schorn, und das Familienunternehmen erlebte seine größte Blütezeit. Als „von Baab & von Schorn“ handelten sie mit „kurzen und geistlichen Waren“ – von Wallfahrtsmedaillen bis zu Zinnwaren. Mit bis zu 600 Heimarbeitern und Kraxenträgern verteilten sie ihre Produkte bis nach Hamburg, Krakau oder St. Petersburg. Das Handelshaus prägte nicht nur die Wirtschaft, sondern auch das Bild Dießens als Ort der schönen Künste und des Handwerks.

Doch mit dem Beginn der Moderne änderten sich die Bedingungen. Mit der Auflösung des Augustiner-Chorherrenstifts 1803 und dem daraus folgenden Einbruch des Devotionalienhandels sowie dem Aufkommen neuer, industrieller Produktions- und Vertriebswege verlor Dießen als Marktort an wirtschaftlicher Bedeutung. Heute knüpfen verschiedene Wochenmärkte und der alljährliche Töpfermarkt mit seiner überregionalen Bedeutung an die alte Markttradition an. Wenn um Christi Himmelfahrt tausende Besucher von nah und fern in den Ort strömen, um Töpferwaren zu kaufen, wird ein Stück Ortsgeschichte wieder lebendig, und die große weite Welt kommt in den Markt Dießen am Ammersee.